Das Wechselmodell


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    Das Wechselmodell - Ein Kommentar

    Kaum ein Thema (die Glaubensfrage lassen wir hier bewusst außen vor)  wird zu vehement diskutiert, wie der Umgang zum eigenen Kind. Wenn Eltern sich trennen, ist das leider nie einfach. Neben den (banalen) Fragen wie, wer kriegt das Sofa, wer den Teppich, müssen sich Eltern einigen, bei wem das Kind bleiben soll/darf. Außerdem ist zu klären, wie und wann sie den Papa oder die Mama sehen können. Eine Umgangsregelung muss gefunden werden. Das sind die schweren Fragen, die auf getrennte Eltern zukommen. Die gute Nachricht zuerst:

    Die meisten Eltern schaffen es, diese Themen miteinander zu lösen!

    Wenn das nicht so ist, kann es hilfreich sein, sich durch eine Moderation oder Mediation beim Finden einer Umgangsregelung Hilfe zu suchen, z.B. bei InFabeo

    Aktuell fordert die Partei FDP, dass das sogenannte Wechselmodell als quasi Standard eingeführt werden soll, wenn Eltern sich vor dem Familiengericht um die Klärung des Umgangs streiten. Ein interessanter und kontroverser Beitrag wurde zu diesem Thema in der Sendung "Fakt" am 23.04.2018 im MDR ausgestrahlt. Den Link zur Sendung finden Sie am Ende dieses Beitrags. 

    Entgegen der Annahme vieler Eltern, es gebe eine klare gesetzliche Regelung, wie der Umgang zu regeln sei, ist dies nicht der Fall. Die Eltern entscheiden gemeinsam darüber, beim wem das Kind bleibt und wie der Kontakt zum anderen Elternteil geregelt wird. Wenn sich die Eltern nicht einigen können, haben sie die Möglichkeit, sich beim Jugendamt beraten zu lassen und dort eine Umgangsregelung zu finden. Sollte auch das nicht klappen, können sie das Familiengericht anrufen um dort auf gerichtlichem Wege eine Umgangsregelung zu erwirken. 

    Als Wechselmodell wird eine Umgangsregelung bezeichnet, bei der beide Elternteile zu ungefähr gleichen Teilen die Betreuung und Versorgung des Kindes übernehmen. In der Praxis kann das etwa der Aufenthalt von Montag-Donnerstag bei einem Elternteil und von Freitag bis Sonntag beim anderen Elternteil sein. Möglich ist auch der Wochenweise wechsel des Aufenthalts. 

    Das Wechselmodell hat gegenüber anderen Formen des Umgangs bestimmte Vorteile, aber natürlich auch Nachteile. Wie immer kommt es auf den Einzelfall an. Der Vorteil des Wechselmodells liegt darin, dass beide Eltern nicht nur den Alltag oder die Wochenenden mit dem Kind verbringen, sondern zu gleichen Teilen sowohl für den Alltag des Kindes wie auch für die Wochenden zuständig sind. Durch diese hälftige Teilung fühlen sich beide Eltern zu gleichen Teilen an der Entwicklung ihres Kindes beteiligt, was dem Gerechtigkeitsempfinden vieler Menschen entgegen kommt und sich positiv auf das gemeinsame Miteinander auswirkt. Der Kindesunterhalt entfällt bei dieser Lösung, denn beide Eltern kümmern sich zu gleichen Teilen um ihr Kind. Das bedeutet, beide Eltern halten jeweils alle notwendigen Dinge für ihr Kind bereit. 

    Das Wechselmodell hat jedoch auch Nachteile. Die Nachteile des Wecheselmodells liegen unter anderem darin, dass beide Eltern alle notwendigen Dinge für das Kind doppelt bereitstellen müssen. Anziehsachen, evtl. ein Ranzen aber auch ein Zimmer müssen vorhanden sein. Daher ist dieses Modell häufig als ein Modell für Wohlhabene bezeichnet.

    Ein weiterer schwerwiegender Nachteil ist, dass Eltern die nicht miteinander kommunizieren können, dies beim Wechselmodell  trotzdem intensiv müssen. Wenn ein Kind die hälfte der Woche oder des Monats bei einem Elternteil verbringt, müssen viele Informationen weitergegeben werden. Wenn dies nicht funktioniert, hat das Konsequenzen für das Kind. Wenn Infos aus der Schule nicht weitergegeben werden oder medizinische Informationen nicht ankommen, ist das sehr ungünstig. Das ist leider einer der Gründe, warum Familiengerichte bei sehr strittigen Eltern vom Wechselmodell absehen. Dabei ist es ebenfalls unerheblich, von wem die beeinträchtigte Kommunikation ausgeht, denn der Schaden liegt immer beim Kind. 

    Auch zu bedenken ist, dass das Kind beim Wechselmodell jedes Mal sein Umfeld verlässt. Wenn ein Kind für eine Woche hier und für eine Woche dort ist, sind Freundschaften nicht mehr leicht zu pflegen, dennoch sind sie möglich. Der Wechsel des Umfeld für längere Zeit sollte aber in die Überlegungen einbezogen werden. 

    Als Fazit ist festzustellen, dass jede Umgangsform Vorteile und Nachteile mit sich bringt. Insbesondere wenn Eltern kaum noch in der Lage sind, miteinander zu kommunizieren, sollte ein Modell gewählt werden, bei dem beide Eltern einen guten Kontakt zu ihrem Kind haben, aber nicht viel miteinander kommunizieren müssen. Dies könnte zum Beispiel das Residenzmodell (in all seinen Varianten) sein. 

    Paarberatung InFabeo Magdeburg

     

    Link zur Sendung:  

    https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/fakt-ist-trennungskinder-nachlese-100.html 


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